Das Sherab-Projekt – unsere gemeinsame Vision mit dem Tibethaus

 

Was bedeutet Sherab?

 

Dagyab Rinpoche erklärt die Wortbedeutung folgendermaßen: "Etymologisch gesehen, ist Sherab aus zwei Bestandteilen zusammengesetzt: SHE (tib.: shes) bedeutet 'Wissen, Weisheit, Intelligenz' und RAB (tib.: rab) 'beste(s)'. Sherab ist das Sechste Pāramitā und wird dort auch als 'unterscheidende Weisheit' bezeichnet. Das ist eine Form der Wahrnehmung, die differenziert ist, die etwas von allen Seiten betrachtet, die alle möglichen Aspekte für eine Entscheidung miteinbezieht, die klug zum Wohle des Ganzen entscheidet."

 

Das Sherab-Haus

 

Der Plan für ein zusätzliches Seminarhaus im Berghof außerhalb des Haupthauses ist so alt wie das Retreathaus selbst. Denn für große Kurse ist es in unseren bisherigen Räumen schnell zu eng. Jetzt kann der Plan auf eine Weise realisiert werden, die wir uns nicht hätten träumen lassen. Nach dem Entwurf eines bekannten Architekten wird ein wunderschönes, energieautarkes, nachhaltiges Gebäude aus Lehm, Holz, Glas und einem großen Photovoltaikdach entstehen, das im Sommer 2024 fertiggestellt sein soll. Ein großzügig gestalteter neuer Empfangs-, Begegnungs- und Pausenraum mit Garderobe und kleiner Teeküche wird beide Häuser über das Untergeschoss des Haupthauses verbinden.

 

Das Sherab-Haus wird auf dem Gelände des Berghofs entstehen. Tibethaus wird das Projekt im Wesentlichen ideell und durch sein Know-how unterstützen. Das Haus wird Eigentum des Berghofs sein.

 

Das Sherab-Haus wird für eine Öffnung nach außen stehen, mit der wir Rinpoches Vision eines Ortes weitertragen, der von umfassendem Nutzen für unsere buddhistische Gemeinschaft im Kleinen und gleichzeitig für die Gesellschaft im Großen ist. Mit den vielfältigen Aktivitäten, die dort Platz haben, möchten wir dazu beitragen, dass Menschen die Resilienz und die Stärke entwickeln können, die wir alle brauchen, um den unweigerlich auf uns zukommenden Veränderungen unserer gewohnten Welt standzuhalten und konstruktiv damit umzugehen.

 

Das Sherab-Projekt

 

 

„Ohne mich damit zu begnügen, anderen durch Wunschgebete und gute Gedanken Nutzen zu bringen, werde ich handfeste Aktivitäten zu ihrem Nutzen und Wohlergehen durchführen.

Entsprechend werde ich mich auf eine Praxis stützen, in der Methode und Weisheit verbunden sind und mich dem Dienst an Lehre und Gesellschaft widmen.“

 

S. E. Dagyab Kyabgön Rinpoche im Lamrim der Unterweisungen in 60 Versen:

 

Was bedeutet das Sherab-Projekt?

 

Unsere Welt befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess.  Ob uns der Übergang in eine friedliche, gerechtere, vielfältige, das Leben in all seinen Formen achtende und schützende Weltgemeinschaft gelingt, hängt von uns allen ab.

 

Wie denken und handeln wir also über die Grenzen unserer oft eher „nach innen gerichteten“ buddhistischen Praxis hinaus? Was kann unser spezifischer, aktiver Beitrag als praktizierende Buddhisten und Buddhistinnen sein?

Mit dieser Fragestellung haben wir[1] uns vor einiger Zeit zusammengesetzt und gemeinsam darüber nachgedacht, wie wir das großartige Geschenk, das wir mit der Finanzierung eines neuen Gebäudes – des Sherab-Haus‘ – bekommen haben, nutzen wollen.

 

Eine äußere Architektur braucht immer auch eine innere, inhaltliche Entsprechung, damit es auf eine gute Weise seine optimale Strahlkraft entfalten kann. So wie auf der baulichen Ebene die schöne neue Halle über einen großzügigen Eingangsbereich mit dem Haupthaus verbunden wird, möchten wir auch inhaltlich das bereits Bestehende mit dem Neuen verknüpfen, damit etwas Neues sich entwickeln kann.

 

Das Neue, das hinzukommen wird, ist das Sherab-Projekt, symbolhaft dargestellt durch vier Säulen, die auf den Grundprinzipien des indo-tibetischen Buddhismus fußen.

 

Diese vier Säulen sind:

 

1. Förderung und Ausbau der regionalen Vernetzung im Sinne einer Gemeinwohlökonomie und -ökologie.

 

2. Weiterbildungen und Ausbildungsangebote für Führungskräfte, Teams, zivilgesellschaftlich engagierte

    Personengruppen auf nationaler und internationaler Ebene.

 

3. Ausbau des bereits bestehenden indo-tibetischen Kulturangebots und des interkulturellen Dialoges.

 

4. Weiterbildungsangebote im Bereich nachhaltiges Leben, Handeln und Denken.

 

Der bekannte tibetische Lehrer Demo Rinpoche machte in seinem beeindruckenden Vortrag „The Planet as Mother of Everyone“[2] deutlich, dass wir uns im Interesse unseres eigenen Kontinuums bewusstwerden müssen, dass wir mit allen unseren Gewohnheiten an diesen Planeten gebunden sind und nach dem Ende dieses Lebens mit größter Wahrscheinlichkeit wieder hierher zurückkehren werden – und damit ggf. mitten hinein in eine vielleicht voll entwickelte Krise.

 

Eben diese Verbundenheit, die Tatsache, dass alles mit allem verbunden und vernetzt ist, wollen wir in und mit dem Sherab-Projekt thematisieren und reflektieren und die Projekte und Ausbildungsangebote inhaltlich gut aufeinander abstimmen. Gleichzeitig befinden wir uns momentan in einem Prozess, auch den Kontext, in dem dies alles geschieht, mitzudenken. Was heißt das genau?

 

Das Retreathaus Berghof liegt in Wiesen, einem kleinen Dorf im Spessart, und es ist uns wichtig, die Bewohner:innen und das Umfeld in einem größeren Umfang in unsere Überlegungen  einzubinden. Wir wollen auf vielfältige Weise Netzwerkstrukturen aufbauen, so dass ein Miteinander im weiteren Sinne es uns allen leichter machen kann, unsere anstehenden Aufgaben zielgerichteter zu bewältigen. Und natürlich sind nicht nur das Dorf und seine Bewohner:innen Teil unserer Kommunikation, sondern all die vielen Menschen, die sich dem Berghof und dem Tibethaus nahe fühlen.

 

Die Herausforderungen, die aktuell vor uns allen liegen, sind immens. Deshalb möchten wir sorgfältig schauen, was in unseren Möglichkeiten liegt, damit wir einen genügend langen Atem haben, um diesen Marathon überhaupt laufen zu können.

 

Die nächsten geplanten Schritte sind:

 

1. Die Bitte um eure Teilnahme an einer Umfrage, die wir für Anfang 2023 planen. Sie soll uns helfen, unser

    implizites Wissen zur Verfügung zu stellen, das im Kontext einer gesellschaftlich notwendigen Veränderung

    von Denken, Handeln und Planen in unserem Umfeld von Nutzen sein könnte. Mit eurer Teilnahme helft ihr

    uns ganz konkret dabei, unsere Programme zielgenauer zu konzipieren und eine Form zu finden, wie wir uns

    zukünftig besser verbinden und absprechen können.

 

2. Vom 15. bis 16. September 2023 wird es eine Auftakt-Tagung zum Thema „Weltspannung leben ist die 

    größte Herausforderung des Menschen“ (in Anlehnung an Martin Buber) als Kooperationsveranstaltung

    zwischen dem Tibethaus und dem Berghof im Tibethaus geben. Bitte merkt euch diesen Termin gerne vor.

    Einen Flyer und einen kleinen Artikel wird es zu Beginn 2023 geben.

 

3. Gegen Ende 2023 wird dann die erste Ausbildung zum Thema Transformative Global Leadership

    stattfinden können. Dieses Programm wird gerade in Indien an der Christ University Bangalore aufgesetzt und

    zertifiziert. Es handelt sich dort um ein 12-monatiges Programm und die kleinere Variante werden wir im

    Sherab-Projekt durchführen. Mehr dazu in den kommenden Monaten.

 

Soweit der aktuelle Stand des Entwicklungsprozesses kurz zusammengefasst. Ziel ist es, dazu beizutragen, die hervorragenden Werkzeuge, die uns der indo-tibetische Buddhismus mit der Darlegung des Abhängigen Entstehens und der Vier Wahrheiten zur Verfügung stellt, auf breiterer Basis gesellschaftlich nutzbar zu machen.

 

Otto Scharmer[3] schreibt in seinem lesenswerten Artikel „Protect the Flame“:

 

“When systems collapse, what are we left with? We are left with each other. We are left with our relationships. With how we relate to Mother Nature, how we relate to each other, and how we relate to our emerging Selves.”[4]

 

„Wenn unsere Systeme zusammenbrechen, stellt sich die Frage: Was bleibt uns dann? Wir haben einander. Wir leben von und in unseren Beziehungen. Und wir leben damit, wie wir uns zur unserer Mutter Natur, zueinander und zu unserer neuen Form von SELBST verhalten.“

 

Lernen wir, tatsächlich zu spüren, dass die Erde nicht einfach nur unsere Umwelt ist. „The Earth is us“, wie Thich Nhat Hanh sagt.[5] Nutzen wir das Netz, das wir alle gemeinsam bilden. Lernen wir, was jetzt am dringlichsten gebraucht wird und werden wir aktiver Teil der Transformation, die überall auf der Welt bereits im Gang ist.

 

 

[1] „Wir“, das sind vier langjährige Schülerinnen von Dagyab Rinpoche, Elke Hessel, Prof. Dr. Susanne Maaß-Sagolla, Dr. Ute Meyer-König und Angela Neumann-Kunz

[2] https://www.jewelheart.org/digital-dharma/sunday-talks-with-demo-rinpoche-43/

[3] Ökonom, Senior Lecturer am MIT in Cambridge, USA, Entwickler der “Theory U”, Co-Autor von “Leading from the Emerging Future: From Ego-system to Eco-system Economies”

[4] Protect the Flame. Circles of Radical Presence in Times of Collapse. 2022-09-07, https://medium.com/presencing-institute-blog/protect-the-flame-49f1ac2480ac | Dt. Übers. Susanne Maaß-Sagolla

[5] Thich Nhat Hanh, Zen and the Art of Saving the Planet, Plum Village 2021, S. 2

 

 

Unterstützung sehr willkommen!

 

Um in diesem Entwicklungsprozess die vielfältigen Aufgaben auf mehr Schultern zu verteilen und die anstehende personelle Erweiterung finanzieren zu können, ebenso wie die Innenausstattung, die technische Ausrüstung, die Außengestaltung des Gartens mit der Verbindung beider Häuser, besteht weiterer Finanzierungsbedarf. Auch im Haupthaus werden im Verlauf eine Reihe von Maßnahmen erforderlich sein, die dazu beitragen, dass der gesamte Komplex als harmonisches Ganzes funktioniert und wir dem Wunsch und unserer gesellschaftlichen Verantwortung für Nachhaltigkeit und Klimaschutz gerecht werden.


Wir freuen uns über jeden Beitrag, sei es finanziell oder mit Fähigkeiten, Zeit und Aktivität, der dazu beiträgt, dass wir gemeinsam dieses zukunftsweisende Projekt ausgestalten und voranbringen können. Wenn Sie Fragen dazu haben, sprechen Sie uns bitte an.

 

Spendenkonto für alles, was speziell der Ausstattung des Sherab-Hauses und des Sherab-Projekts gewidmet ist:

 

Volks- und Raiffeisenbank Spessart

Kontoinhaber Retreathaus Berghof e.V.

IBAN:   DE44 7906 9150 9150 0106 5011 09

BIC:      GENODEF1GEM

SHERAB-HAUS
unsere Vision
SHERAB HAUS broschüre-akt.-digital_2022[...]
PDF-Dokument [2.3 MB]
Druckversion | Sitemap
© Retreathaus Berghof e.V.